Mykotoxin-Screening in der Praxis:
LFDs vs. ELISA – Welche Methode wirklich zählt

Martin Witek, Global Product Manager Mycotoxins

Die Frage, ob für das Mykotoxin-Screening Lateral-Flow-Tests (LFDs) oder ELISA-Verfahren eingesetzt werden sollten, gehört zu den meistdiskutierten Themen im Qualitätsmanagement von Getreide und Futtermitteln. Gleichzeitig ist sie häufig von vereinfachten Annahmen geprägt: ELISA gilt als grundsätzlich genauer, als bessere Lösung für hohen Probendurchsatz und als überlegen bei komplexen Matrices. Doch diese Sichtweise greift zu kurz.

Tatsächlich führt keine dieser Annahmen als allgemeine Regel zu verlässlich guten Entscheidungen. Stattdessen sollte die zentrale Frage lauten: Welche Methode unterstütz. die konkrete Entscheidungssituation am besten – etwa bei der Warenannahme, in der laufenden Prozesskontrolle, im Zentrallabor oder bei grenzwertigen Befunden?

Genauigkeit neu gedacht
Der Begriff „Genauigkeit“ wird in Methodenvergleichen häufig unscharf verwendet. Aspekte wie Richtigkeit, Präzision, Wiederfindung im Schwellenbereich oder Fehlklassifizierungsraten sind jedoch klar voneinander zu unterscheiden. Entscheidend sind belastbare, matrixspezifische und unabhängig geprüfte Daten – nicht die Bezeichnung der Methode.

Durchsatz aus operativer Sicht
In der Praxis wird Durchsatz oft mit der Anzahl bearbeiteter Proben pro Zeiteinheit gleichgesetzt. Während dies in zentralen Labors sinnvoll ist, spielen in dynamischen Umgebungen wie der Getreideannahme oder Futtermittelproduktion andere Faktoren eine größere Rolle. Hier zählt vor allem die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung. Ein schneller Einzeltest kann daher unter Umständen wertvoller sein als die hohe Kapazität eines batcheffizienten Verfahrens.

Umgang mit komplexen Matrices
Viele Futtermittel stellen aufgrund ihrer Zusammensetzung eine analytische Herausforderung dar. Sowohl LFDs als auch ELISA können durch Matrixeffekte beeinflusst werden. Entscheidend ist daher nicht das Format, sondern die Validierung der Methode für die jeweilige Matrix im relevanten Konzentrationsbereich.

Die unterschätzte Bedeutung der Probenvorbereitung Die Analytik beginnt nicht mit dem Test – sondern mit der Probenahme. Mykotoxine sind im Rohstoff ungleich verteilt, sodass die Qualität des Ergebnisses maßgeblich von der Repräsentativität der Probe abhängt. Schritte wie Mahlen, Homogenisieren und Extraktion sind kritische Einflussfaktoren. Vereinfachte Abläufe können hier zu mehr Reproduzierbarkeit beitragen.

Screening und Bestätigung
Sowohl LFDs als auch ELISA sind Screening-Methoden. Für endgültige Bestätigungen und regulatorische Zwecke sind weiterführende Verfahren wie LC-MS/MS erforderlich. Ein effizientes Testkonzept kombiniert beide Ansätze gezielt.

Ein strukturierter Entscheidungsansatz
Die Wahl der geeigneten Methode lässt sich anhand von vier Leitfragen systematisch treffen:
■ Welche Entscheidung steht an?
■ Wie ist der Probenfluss organisiert?
■ Welche Matrices und Analyten sind relevant?
■ Wo wird getestet?

Auf dieser Basis lassen sich praxisgerechte Lösungen entwickeln, ohne sich auf starre Präferenzen festzulegen.

Fazit
Die Auswahl der richtigen Screening-Methode hat direkte Auswirkungen auf Qualität, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Pauschale Aussagen helfen dabei wenig. Entscheidend ist vielmehr ein differenzierter Blick auf Anwendung, Umgebung und Zielsetzung.

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Ausgabe Juli/August 2025 „Der Lebensmittelbrief/ernährung aktuell”