Dr. rer. nat. Michael Jahnz, Diplom-Biochemiker, MBA & General Manager WESSLING Consulting Shanghai Ltd.

Unsere Fachleute am WESSLING Standort Shanghai erreichen immer mehr Anfragen zum Thema Pre-shipment Inspection, kurz PSI. Hierunter versteht man Inspektionen von Waren vor deren Verladung/Verschiffung/Versand. Sie spielen eine wichtige Rolle im Qualitätswesen. Denn gleichbleibend hohe Qualität ist ein wesentliches Merkmal von Markenwaren. Hohe Produktqualität stärkt Kundenzufriedenheit, Image und Ruf und bietet damit die Basis für langfristige, nachhaltige Geschäftsbeziehungen als Erfolgsrezept vieler Traditionsunternehmen. Insbesondere bei internationalen Lieferketten – wie zum Beispiel aus China – stellen Probenahmen einen elementaren Baustein zur Minimierung von Risiken dar. Konformität mit firmeneigenen Produktspezifikationen sowie Konformität mit Normen und Gesetzen – beides ist gleichermaßen bedeutend. Durch PSI wird sichergestellt, dass die gelieferte Ware der bestellten Ware in Quantität und Qualität voll entspricht. Auch in zeitlicher Hinsicht bietet PSI bei komplexen Lieferketten Vorteile, denn eventuelle Lieferausfälle durch Qualitätsabweichungen treten schneller zutage. PSI helfen so Kosten für, bis hin zur völligen Unbrauchbarkeit, minderwertige Waren zu vermeiden und schützen vor Betrug.

PSI sind dabei ein Werkzeug zur Sicherstellung hoher Qualität für jegliche Art von Waren wie z. B. Fertigprodukte, Teile, Roh- und Zusatzstoffe. Grundsätzlich gilt: Je höherwertiger das Gut und je weniger Qualitätseinbußen toleriert werden können, desto höher ist der Stellenwert der Qualitätssicherung. Dies trifft insbesondere auf Zutaten und Additive von Gesundheitsprodukten zu. Diese Stoffe umfassen Spezialprodukte biologischen Ursprungs, die essentielle Wirkstoffe für Naturarzneien, OTC (over-the-counter) Medikamente, Heilprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel sind. Dazu gehören u. a. spezielle medizinische Kräuter, Wurzeln, Knollen, Trockenfrüchte, seltene Pilze, Extrakte sowie bestimmte Saaten, Kerne und Nüsse. Solche Grundstoffe sind oftmals weltweit nur von wenigen Anbietern erhältlich und stammen aus ganz bestimmten geografischen Regionen und Saisonernten. Daher sind sie äußerst schwierig zu substituieren.

Wichtige Norm im Zusammenhang mit PSI ist die ISO 2859-1:1999 „Annahmestichprobenprüfung anhand der Anzahl fehlerhafter Einheiten oder Fehler (Attributprüfung) – Teil 1: Nach der annehmbaren Qualitätsgrenzlage (AQL, acceptance quality limit) geordnete Stichprobenpläne für die Prüfung einer Serie von Losen”.

Im Kern beschreibt die etwas über 100-seitige Norm ein System, in dem anhand von Stichproben entschieden werden kann, ob ein Produkt durch den Abnehmer angenommen werden kann. Ein Produkt kann dabei jede Art von materiellen oder immateriellen Produkten sein, also auch eine Dienstleistung. Die Norm ist zum Beispiel anwendbar auf Endprodukte, Zwischenprodukte, Rohmaterialien, Materialien im Prozess, aber auch auf Tätigkeiten, Instandhaltungsarbeiten, Daten und Aufzeichnungen sowie Verwaltungsverfahren.

Da in der Praxis – mit vertretbarem Kosten- und Zeitaufwand – meistens nicht alle Einheiten einzeln genau geprüft werden können, wird mit Stichproben gearbeitet, die in der Norm ISO 2859-1 im Detail beschrieben werden. Häufig werden festzulegende AQL-Werte im Vertrag beschrieben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Lieferant das Recht hätte, wissentlich eine fehlerhafte Einheit zu liefern!

Als weitere Norm zu nennen ist die ISO 18414:2012-02 „Annahmestichprobenverfahren anhand der Anzahl fehlerhafter Einheiten – Vertrauensbasiertes Stichprobensystem mit der Annahmezahl Null zur Prüfung der Ausgangs-Qualitätslage“.

Weiterhin zu nennen ist die Norm ISO 3951 „Verfahren für die Stichprobenprüfung anhand quantitativer Merkmale (Variablenprüfung)“. Im Gegensatz zu ISO 2859 liegt bei ISO 3951 der Fokus auf Prüfung von variablen Messwerten.

Ähnliche Normen gibt es im US-amerikanischen (ANSI/ASQC Z1.4) und in anderen Ländern.

Im Idealfall wird die PSI von eigenem Personal der Abteilung Qualitätssicherung des Käufers durchgeführt. Allerdings ist dies bei fernen Ländern wie China aus Zeit- und Kostengründen oftmals unattraktiv, zudem existieren Sprachbarrieren. Zum Zeitpunkt der PSI sollten mindestens 80 Prozent der Ware fertig produziert worden sein, meistens erfolgt die PSI, wenn 100 Prozent fertiggestellt sind. Soll eine Versiegelung der Waren bis zur Verladung erfolgen, so muss die Verpackung final sein. Es darf also kein weiteres Abfüllen, Umpacken oder Konfektionieren stattfinden. Die PSI muss so rechtzeitig vor dem geplanten Verschiffungstermin erfolgen, dass noch ausreichend Zeit für die Untersuchung der gezogenen Proben im Labor sowie die Erstellung des PSI Reports bleibt. Eine PSI muss nicht zwangsläufig in der eigentlichen Produktionsstätte stattfinden, üblich ist PSI im Lagerhaus in der Nähe von Seehäfen, Frachtflughäfen oder Güterzugterminals.

Jede PSI muss ordnungsgemäß und nachvollziehbar dokumentiert werden. Insbesondere Fotos belegen die Situation vor Ort. Der Report für den Auftraggeber gibt nochmals die Punkte des Probenahme Plans wieder und enthält die entsprechend vor Ort gewonnenen Daten der Zählung, Wägung und die Ergebnisse der Prüfungen. Der Report ist nicht nur als Grundlage für die Vertragsgestaltung von Zahlungsmodalitäten, sondern auch als Entscheidungsbasis für Freigabe oder Ablehnung der Ware ein äußerst wichtiges Dokument. Aus diesem Grund sollten die Reports nur von vertrauenswürdigen PSI Dienstleistern erstellt werden.

Unsere Expertinnen und Experten von WESSLING Shanghai haben sowohl auf internationaler als auch auf lokaler Ebene langjährige Erfahrung mit den Anforderungen an Pre-shipment Inspections. Sie sind bestens mit den Gegebenheiten des Landes vertraut und kennen sich mit einem großen Spektrum an zum Export bestimmten hochwertigen Produkten und Rohstoffen aus. Daher bieten unsere Fachleute qualitätsorientierten Unternehmen vor Ort professionelle PSI und Probenahme an. Für unabhängige Analytik stehen ergänzend die hauseigenen Laboratorien in Europa bereit.

Ihre Ansprechpartnerin in Deutschland zu unseren Leistungen rund um PSI:
Anna Weßling
Telefon: 02505 89-551
E-Mail: anna.wessling@wessling.de
www.wessling.de

Ausgabe Juli/August 2019 „Der Lebensmittelbrief/ernährung aktuell”