Bei der Entwicklung neuer Anlagen und Verfahren steht der Einsatz softwarebasierter Simulationen derzeit in vielen Industriebranchen hoch im Kurs. In der Lebensmitteltechnik führt jedoch weiterhin kein Weg an produktspezifischen Praxistests vorbei. Und gerade für Frost- und Kühlanwendungen heißt das: am besten auf Original-Maschinen im Produktionsmaßstab. Ein Technikum wie das Anwendungstechnische Zentrum (ATZ) von Linde bietet hierfür ideale Bedingungen.

Probieren geht über riskieren
In der Lebensmittelindustrie ist gerade in der Entwicklungsphase für neue Anlagen und Verfahren höchste Sorgfalt gefragt, um Fehler und Risiken vorab auszuschließen und dauerhaft optimale Ergebnisse zu gewährleisten. Damit dies gelingt, müssen Maschine und Produkt perfekt zusammenspielen. Dafür sind in der Prozesstechnik noch immer praktische Versuche notwendig. In vielen Anwendungen ist deshalb zunächst eine Entwicklung im Labormaßstab üblich, anschließend erfolgt das Scale-up im Produktionsmaßstab. Ein solches Scale-up ist jedoch nicht überall möglich, zum Beispiel beim Kühlen und Frosten. Nutzt ein Unternehmen bereits entsprechende Maschinen, können diese für Praxistests im Original-Maßstab eingesetzt werden. Theoretisch wäre auch eine Testinstallation vor Ort denkbar, dies bedeutet aber bei gaseversorgten Systemen einen enormen technischen und logistischen Aufwand. Eine sehr einfache Alternative ist ein Technikum wie das Anwendungstechnische Zentrum (ATZ) von Linde in Hamburg.

Ideale Testbedingungen für Branchentrends
Das ATZ bietet ideale Bedingungen für vergleichende Praxistests auf verschiedenen Maschinen. Dafür stehen mehrere kryogene Tunnel-, Pellet- und Schrankfroster sowie auch Systeme zum Verpacken unter Schutzatmosphäre (MAP) zur Auswahl. „Unsere erfahrenen Anwendungstechniker begleiten die Versuchsreihen bis hin zur anwendungsspezifisch besten Lösung und dokumentieren den Prozess“, beschreibt ATZ-Leiter Ralf Meyer den Ablauf. Lebensmittelproduzierende Unternehmen jeder Größe aus ganz Mitteleuropa nutzen dieses Angebot bereits, das im Rahmen sogenannter Testtage bestehenden wie auch potenziellen neuen Kunden offensteht.

Auch kleinere Anbieter unterstützt das ATZ dabei, auf aktuelle Branchentrends zu reagieren, wie hochqualitative Convenience-Produkte für junge, konsumfreudige Zielgruppen oder lose rollende IQF Produkte. Bei letzteren wird durch kryogenes IQF-Frosten („Individually Quick Frozen“) das Kühlgut sofort gefroren. Konsistenz und ursprüngliche Textur des Produktes bleiben dabei ebenso erhalten wie der physiologische Wert der Inhaltsstoffe.

Aktuelles Praxisbeispiel: IQF-Produkte
Im IQF-Bereich gibt es mittlerweile selbst für mechanisch empfindliche Lebensmittel wie Garnelen, geschnittene Geflügelprodukte, Pizzabeläge, gekochte Pasta, frische Früchte und Fertiggerichte geeignete Froster. Das´zeigt auch das Beispiel der Wulff Fleisch- und Wurstwaren Vertriebs GmbH im westfälischen Telgte, die sich im Moment völlig neu aufstellt: „Von der Großfleischerei zum spezialisierten Lieferanten für anspruchsvolle Industriekunden“, beschreibt Geschäftsführer Uwe Kilian diesen Prozess. Im Zentrum der neuen Produktstrategie stehen IQF-Produkte: zum einen Menü Komponenten wie geschnittene Wurst, zum anderen lose rollende Granulate wie einzeln gefrostete Speckwürfel oder auch eine Fleisch-Gemüse-Mischung aus gegartem Hackfleisch, Mais und Bohnen. Gemeinsam mit Linde suchte Uwe Kilian eine passende Froster-Lösung – bei zwei produktspezifischen Versuchsreihen im ATZ. „In diesem voll ausgestatteten Technikum konnten wir alles ausprobieren“, blickt er auf die Testphase zurück. „Man bekommt einen sehr guten ersten Eindruck, ob ein Verfahren funktioniert.“ Insgesamt wurden drei Froster-Modelle aus der modular aufgebauten Produktlinie CRYOLINE® im direkten Vergleich erprobt. Letztlich fiel die Entscheidung klar auf den kryogenen Mehrzweckfroster CRYOLINE® CW.

Umfassende Produktpalette für zuverlässige Ergebnisse
Nicht nur Kunden wie Wulff Fleischwaren sind von der Leistungsfähigkeit des ATZ überzeugt, sondern auch Key Account Manager Günter Spieker: „Es gibt für jede Aufgabe die richtige Lösung“, weiß der Lebensmitteltechnikexperte: „Und welche die jeweils beste ist, lässt sich im ATZ sehr gut  herausfinden.“ Die Voraussetzung dafür schafft auch das breite Portfolio an Lebensmittelgasen und entsprechender Anwendungstechnik von Linde: BIOGON® ist ein speziell für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie entwickeltes Sortiment an Reingasen und Gasgemischen für eine garantiert immer gleichbleibende Qualität. Ein weiterer Vorteil des ATZ besteht darin, dass auch neue Technologien unter Praxisbedingungen erprobt werden können, ehe sie im Produktionsalltag zum Einsatz kommen. Dafür wird das aktuelle Portfolio kontinuierlich weiterentwickelt. So gehen die Unternehmen auf Nummer sicher.

Weitere Informationen:
Silvia Henke
Leiterin Marktentwicklung Lebensmittel
Linde Gas Deutschland
Telefon +49 89 74 46 20 28
E-Mail: silvia.henke@linde.com
www.linde-gas.de

Ausgabe Mai/Juni 2019 „Der Lebensmittelbrief/ernährung aktuell”