Kontamination mit Tenuazonsäure

Tenuazonsäure ist ein von Schimmelpilzen der Gattung Alternaria gebildetes Gift, das als Kontaminante in praktisch allen pflanzlichen Lebensmitteln und Futtermitteln vorkommen kann. Zu den bedeutensten und am meisten erforschten Toxinen zählen Alternariol (AOH), Alternariolmonoethylether (AME), Altenuen (ALT), Tentoxin (TEN) und Tenuazonsäure (TEA). Tenuazonsäure hat cytotoxische, antibakterielle, antivirale und phytotoxische Eigenschaften. Wegen des weit verbreiteten Vorkommens von Alternaria spp. auf zur Lebensmittelproduktion verwendeten Produkten, lässt sich häufig auch das von diesem Schimmelpilz gebildete Mykotoxin Tenuazonsäure in verschiedenen Lebensmitteln nachweisen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Lebensmittel, in denen Tenuazonsäure bisher schon nachgewiesen werden konnte.

Wegen ihrer potenziell gesundheitsschädlichen Wirkung sind Alternariatoxine von besonderem Interesse für den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Der Schimmelpilzbefall zeigt sich im Auftreten einer charakteristischen Verfärbung und kann somit vom Verbraucher visuell wahrgenommen werden. Zur Minimierung der Toxine während der Lebensmittelverarbeitung gibt es bisher keine zuverlässigen Daten.

Am Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Standort Braunschweig wurden in den Jahren 2014 (29) und 2016 (41) im Fachbereich für Analytik organischer Stoffe und Kontaminanten 70 Tomatentrockensuppen auf Alternariatoxine untersucht (Stand Juli 2016). Die Untersuchungen zeigen, dass 97 % der Tomatentrockensuppen mit TEA belastet sind. Im Jahre 2014 wies eine Probe einen TEA-Gehalt >1000 μg/kg auf, 2016 waren es 10 Proben. 8 % der untersuchten Proben enthielten Gehalte zwischen 0 und 100 μg/kg, 60 % der Proben Gehalte zwischen 100 und 500 μg/kg und jeweils 16 % Gehalte zwischen 500 und 1000 μg/kg bzw. > 1000 μg/kg. Die Ergebnisse zeigen, dass es durchaus möglich ist mittels sorgfältiger Zutatenauswahl „TEAfreie“ Tomatentrockensuppen herzustellen.

Auch wenn der TTC-Wert für TEA unter Berücksichtigung von Verzehrsmenge und Zubereitung von keiner Probe überschritten wurde, besitzt das Thema „Alternariatoxine“ eine hohe Relevanz für den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Es gibt aber noch viele offene Fragen insbesondere zum Vorkommen, zur Exposition und zum toxikologischen Potential dieser Toxine. Aus diesen Gründen wird die Alternariatoxinuntersuchung auch in Zukunft weiterhin Bestandteil einer stichprobenartigen Kontrolle sein, um den Verbraucher vor einer möglichen Belastung zu schützen.

Die bilacon hat eine Methode zur Bestimmung von Alternariatoxinen etabliert. Mit dieser Methode werden die Toxine AOH, AME, ALT und TEN erfasst. Sie basiert auf einer dispersiven Festphasenextraktion und Quantifizierung mittels LC-MS/MS. Die Tenuazonsäure (TEA) muss auf Grund der chemisch-strukturellen Eigenschaften separat bestimmt werden. Die Bestimmung erfolgt nach Extraktion und Derivatisierung mittels 2,4-Di-Nitro-Phenylhydrazin ebenfalls mittels LC-MS/MS. Darüber hinaus läuft in unserem Hause ein Projekt die Alternaria-Toxine in die bereits in unserem Labor etablierte Mycotoxin Multimethode mit aufzunehmen. Wir werden die Validierung dazu im Februar 2017 abschließen.

Wir möchten Ihnen damit die Möglichkeit bieten ohne hohe Mehrkosten die Alternariatoxine im Rahmen Ihres Mycotoxinscreenings mit zu erfassen.

Für die Beurteilung an Alternariatoxinen in Lebensmitteln existieren aufgrund fehlender umfassender toxikologischer Daten derzeit keine gesetzlichen Regelungen. Gemäß eines wissenschaftlichen Gutachtens der EFSA (European Food Safety Authority) zum Risiko von Alternariatoxinen in Lebensmitteln aus dem Jahre 2011 wurde für TEA ein Schwellenwert (TTC, threshold of toxicological concern) von 1,5 μg/kg Körpergewicht pro Tag abgeschätzt. Das TTC-Konzept ist ein wissenschaftliches Instrument, das zur Unterstützung von Entscheidungsträgern beim Schutz der Verbraucher eingesetzt werden kann. Gemäß dessen dürfte eine 60 kg schwere Person jeden Tag ein Produkt verzehren, das bis zu 90 μg/kg TEA enthält.

Nach Art. 2 Abs. 1 der Verordnung (EWG) 315/93 darf zur Kontrolle von Kontaminanten in Lebensmitteln kein Lebensmittel in den Verkehr gebracht werden, das einen Kontaminanten in einer gesundheitlich und insbesondere toxikologisch nicht vertretbaren Menge enthält. Der Gehalt an Kontaminanten ist ferner auf so niedrige Werte zu begrenzen, wie durch gute Praxis sinnvoll erreicht werden kann (Minimierungsprinzip). Bei vergleichsweise hohen Gehalten an Alternariatoxinen (z.B. Überschreitung des TTC) wird der Verantwortliche über den vorhandenen Gehalt informiert und dazu angehalten, die Qualitätskontrolle der verwendeten Zutaten (i.d.R. Tomaten) im Hinblick auf eine Vermeidung von übermäßigem Schimmelbefall zu verbessern.

Wenn Sie sich absichern möchten oder Fragen zu diesem Thema haben, wir beraten Sie gern.

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Ausgabe Januar/Februar 2017 „Der Lebensmittelbrief/ernährung aktuell”