Allergene in aller Munde…?!?!

Dorina Blumenthal, staatl. geprüfte Dipl.-Lebensmittelchemikerin

Im Rahmen des Inkrafttretens der Lebensmittelinformations-Verordnung (EU-Verordnung 1169/2011, LMIV) wurde auch die Kennzeichnung von Allergenen einer bedeutenden Änderung unterzogen. Aktuell müssen 14 der gängigsten Allergene bei Fertigpackungen im Verzeichnis der Zutaten hervorgehoben werden, zum Beispiel durch Fettdruck oder Großbuchstaben. Allergieauslösende Zutaten fallen somit gleich ins Auge, was Allergikern den Einkauf erleichtert.

Doch darüber hinaus findet sich auf einem Großteil von Produkten die Angabe „Kann Spuren von... enthalten.“ Produktionsbedingt kann eine Kontamination mit Allergenen oft nicht ausgeschlossen werden, auch wenn diese nicht als Zutat zugefügt werden. Somit sichern sich die Hersteller im Rahmen der Produkthaftung mit der „Spurenkennzeichnung“ ab. Jedoch bedeutet die Angabe „Kann Spuren von Allergen x enthalten“ nicht, dass das Allergen x auch in jedem Fall enthalten ist. Und wenn Allergen x enthalten ist, haben Allergikerinnen und Allergiker keine Information, wie viel genau eine Spur ist und mit welchen Gehalten gerechnet werden muss. Dies kann zur Verunsicherung von Allergikern führen, die im Zweifel das betreffende Produkt nicht kaufen und somit in der Lebensmittelauswahl eingeschränkt werden. Oder sie greifen zu einem Produkt ohne Spurenhinweis. Doch wie sieht es aus, wenn eine Spurenkennzeichnung nicht vorhanden ist? Können Allergiker sich in Sicherheit wiegen und davon ausgehen, dass wirklich keine weiteren Allergene enthalten sind als die in der Zutatenliste aufgeführten? Die Spurenkennzeichnung ist freiwillig und liegt im Ermessen des Herstellers. Ein Fehlen dieser bedeutet somit nicht automatisch, dass keine Spuren weiterer Allergene enthalten sein können. Allergiker müssten dies aktiv beim Hersteller nachfragen.

Spurenhinweise an sich können irritierend sein. In Verbindung mit speziellen Auslobungen wie „vegan“ oder „vegetarisch“ kann jedoch noch mehr Verwirrung entstehen, wenn beispielsweise vegetarische/ vegane Lebensmittel im selben Betrieb wie herkömmliche Lebensmittel hergestellt werden. So kann es geschehen, dass vegane Lebensmittel Spuren von zum Beispiel Ei oder Milch oder vegetarische Lebensmittel Spuren von Fisch enthalten können. Im Grunde werden somit zwei Verbrauchergruppen angesprochen. Durch die spezielle Auslobung vegan/vegetarisch die Veganer/Vegetarier und durch die Spurenkennzeichnung die Allergiker. Jedoch stößt dies nicht zwingend auf Gegenliebe beim Konsumenten – zumindest zeigen dies entsprechend verärgerte Rückmeldungen bei einschlägigen Verbraucherportalen.

Im Rahmen einer sinnvollen Verbraucherinformation sollten Hersteller bezüglich der Spuren daher so wenig wie möglich und so viel wie nötig angeben und zudem auf widersprüchliche Auslobungen verzichten.

Kontakt:
WESSLING GmbH
Oststr. 7, 48341 Altenberge
Tel.: 02505 89-0
E-Mail: food@wessling.de
www.wessling.de

Ausgabe Januar/Februar 2017 „Der Lebensmittelbrief/ernährung aktuell”